Die Götter

Polytheismus ist der Glauben an spirituelle Wirkmächte, die die Geschicke des Universums lenken bzw. zum Teil lenken. Im Gegensatz zu monotheistischen Religionen bedeutet das, dass man ein Weltbild vertritt, das Platz für viele Gottheiten beinhaltet, anstatt seinen Fokus auf nur einen allgemeingültigen Gott zu legen.


Da es in der indoeuropäischen Tradition keine strikte Aufteilung in "gute" und "böse" Gottheiten gibt, sondern die Götter und Wesenheiten sich eher ambivalent zeigen, ist eine Unterscheidung für den daran nicht gewohnten Menschen eventuell verwirrend. Generelles Kennzeichen der indoeuropäischen Polytheismen ist, dass sich die Wesenheiten, die das Universum repräsentieren oder besser gesagt Manifestationen des Universums sind, regulär in zwei Gruppen unterteilen. Da es meines Wissens keine festgelegten Begrifflichkeiten gibt, sondern nur Begriffe aus den entsprechenden Kulturkreisen, weiche ich auf von mir festgelegte Begrifflichkeiten aus.


Die Erstgeborenen

Die Ersten repräsentieren all die unbändigen Kräfte des Universums, sie sind sozusagen elementare Urgewalten. Die Erstgeborenen kennt man unter den Namen Thursen, Titanen, Kyklopen und Formoire. Allerdings sollte man nicht dem Trugschluss verfallen die gängige Meinung zu vertreten, dass diese Erstgeborenen negative Kräfte sind oder rein durch Attribute wie schädlich, böse oder negativ zu definieren sind. Urkräfte sind immanent wichtig, allerdings auch unkontrollierbar, was sie aus menschlicher Sicht bedrohlich macht. Je nach Art empfindet der Mensch einzelne Urkräfte als stärker oder schwächer bedrohlich, was sich aus der speziellen Art der Urkraft ergibt und wie der Mensch mit ihr in Verbindung steht.


Die Zweitgeborenen

Die Zweitgeborenen sind die Götter. Sie vertreten die Ordnung im Universum, sind lebensspendende Kräfte, repräsentieren Ideen wie Liebe, Gerechtigkeit, Handel und Handwerk. Sie sind den Menschen verbundener, weil der Mensch für seine Existenz die Ordnung benötigt. Auch die Götter sind nicht mit einfachen Kategorien wie Güte, Gerechtigkeit und Liebe erfassbar. Götter können gebend aber auch fordernd sein, gütig aber auch grausam.


Weitere

Weiterhin kennt der Polytheismus noch "geringere Götter" und mythische Wesenheiten - Kentauren, Nymphen, Nixen, Satyre, Werwölfe, Untote, Zwerge und weitere. Diese sind die Manifestation von Orten, Mitbewohner unserer Welt, verselbstständigte Beseeltheit der Natur.


Kosmologie

Ich bin versucht zu sagen, dass die gesamte Existenz sich aus einem einzelnen Punkt der perfekten Harmonie, als alles eins war, herausgebildet hat. Vor der Zeit. Danach traten die ersten Urkräfte auf. Licht trennte sich von Schatten. Leere von Fülle. Feuer von Eis. Himmel von Erde. Dann erschienen die Götter, die Ordnung in diese Kräfte brachten. Sie ordneten das Universum. Ihnen verdanken die Menschen ihr Leben.


Das Pantheon

Die Wahrnehmung des eigenen Pantheons kann differieren. Wie in anderen Religionen besteht nicht zwangsläufig einhellige Einstimmigkeit, wie Götter von den Menschen wahrgenommen werden. Daher liste ich hier drei gängige Möglichkeiten auf:

  • Das Pantheon ist nur regional mächtig, jede Region und jeder Ort hat seine ihr bzw. ihm eigenen Gottheiten, man kann an anderen Orten den Kontakt zu seinen Gottheiten bewahren, aber ihre Macht ist räumlich begrenzt.
  • Das Pantheon ist universal und an jedem Ort gültig. Andere Religionen gehen einen anderen Weg, der zwar nicht als der eigene aufgefasst aber toleriert und respektiert wird.
  • Das Pantheon ist universal, und jede Religion hat dieselben Gottheiten, hat sie nur auf ihre eigenen Arten und Weisen interpretiert und benannt.